Chronik

Silja, wie kamst Du zum Tätowieren?

Ich habe mich schon früh für Kunst und Gestaltung interessiert. Eigentlich hatte ich vor, Grafikdesign zu studieren. Zur Studienvorbereitung besuchte ich ein Jahr lang das Kolping-Kolleg. Nachdem ich dort im Kunstunterricht ein Referat zum Thema Tattoos gehalten hatte, bot mir ein Mitschüler zwei Tätowiermaschinen zum Kauf an. Und zwar professionelle Geräte, nicht etwa umgebaute Rasierer! An echte Tätowiermaschinen ranzukommen war damals, Anfang der ’90er, noch gar nicht so einfach.

Die ersten Male ausprobiert habe ich mein Talent und die beiden Maschinen dann an meinem Bruder Lars und den Jungs aus seiner Clique – bei dieser Gelegenheit: Vielen, vielen Dank noch mal an ihn und alle Mutigen für das Vertrauen!

’97 wurde es dann deutlich professioneller: Ich machte ein einjähriges Praktikum bei Thilo’s Realistic Tattoo in Geislingen.

Auch für ihn gilt: Danke, Thilo!

 


Und wann hattest Du Deinen ersten eigenen Laden?

Nun, noch nicht ganz ein eigener Laden war mein Arbeitsraum in einer WG in der Neckarstraße – was eine spannende Zeit war. Allerdings wurde mir das dann bald ein bisschen zu spannend, also eröffnete ich Ende ’98 unter dem bis heute gültigen Namen „Tattoo Vision“ mein erstes offizielles eigenes Studio in der Rosenstraße im Bohnenviertel in Stuttgart.

Ende 2002 zog ich dann in die Wilhelm-Raabe-Straße in Stuttgart-Heslach um, was aber leider kein ganz optimaler Standort war.

Daraufhin kam es zum Zusammenschluss mit Britt von „The Cult Tattoo“. Unser Laden befand sich in Stuttgart-Untertürkheim.

Tja, und seit 2008 habe ich nun meinen Laden hier in der Böblinger Straße 208 in Stuttgart-Heslach.

 

Okay, eine ganz wichtige Frage ist natürlich: Welche Stile stichst Du am liebsten?

Zunächst einmal: Ich finde, dass eigentlich jeder Stil seine Schönheiten, seine Besonderheiten hat. Persönlich mag ich ganz allgemein die asiatischen Stile sehr. Was ich gern mache, ist, Stile miteinander zu verbinden, also etwa ein Oldschool-Motiv vor einen japanischen Hintergrund zu setzen. Ich verarbeite auch gern polynesische Einflüsse, z.B. den Maori-Stil bei Tribals.

Was mir auch richtig gut gefällt, ist Jugendstil, da ich es sehr mag, ornamental zu gestalten. Blumeranken etwa liefern da immer wieder wunderbare Motive.

Dabei arbeite ich natürlich besonders gern mit Farben. Aber auch in Schwarz-Weiß lassen sich fantastische Visualisierungen erzielen. Worauf ich jedoch hinweisen möchte, ist, dass ich keine Motive aus dem politisch rechten Spektrum steche.

 

Stichwort Motive: Wie finden Kunden bei Dir zu ihrem ganz persönlichen Motiv?

Tattoos sollten etwas Eigenständiges, Individuelles, Durchdachtes sein. Ein Ansatz dieser Art: „Ich will so was haben wie die oder der da“ darf also schon ein bisschen hinterfragt werden. Das heißt: Beratung ist wichtig und selbstverständlich. Ich höre und schaue mir immer erst mal an, was der Kunde oder die Kundin an Ideen mitgebracht hat, dann erarbeiten wir gemeinsam das perfekte Tattoo.

Dabei können wir natürlich auf Motive zugreifen, die in den Vorlagen und Sammlungen bei mir im Laden zu finden sind; sehr gern nehme ich als Basis aber auch Vorschläge, die mitgebracht werden. Das können kleine Collagen, Bildsammlungen, Ausschnitte usw. sein.

Dazu eine Anmerkung: Bringt mir Eure Vorschläge bitte nicht nur als Foto auf Eurem Smartphone mit. Vernünftig kann man über ein Motiv nur anhand eines Ausdrucks sprechen. Also: Ihr könnt es entweder selbst ausdrucken, oder Ihr schickt mir eine Mail oder bringt einen USB-Stick mit dem Vorschlag mit.

 

Am Besten ist es, zunächst telefonisch oder direkt bei mir im Laden einen Besprechungstermin auszumachen, bei dem wir uns dann gemeinsam anschauen können, in welche Richtung die „Hautkunstreise“ gehen wird.

 

Wie stehst Du eigentlich zum Thema Cover-up?

Es ist wirklich schade, ein Tattoo zu haben, mit dem man, aus welchen Gründen auch immer, nicht hundertprozentig zufrieden ist.

Aber: Da können wir helfen! Wir sind in Stuttgart der erste Laden, der, wenn es nötig ist, für ein Cover-up auch mit der (partiellen) Entfernung eines ungeliebten Tattoos durch Lasertechnik arbeitet. Der Punkt dabei ist: Statt der oftmals bis zu zehn oder sogar noch mehr Sitzungen, die für eine vollständige Entfernung notwendig wären, reichen, um ein tolles Cover-up herzustellen, häufig schon vier oder fünf Einsätze des Lasers. Dadurch lässt sich bereits eine sehr gute Ausgangssituation schaffen, von der ausgehend wir dann ein Cover-up-Tattoo stechen, das restlos glücklich macht.

Also: Weniger Lasersitzungen als bei einer Komplettentfernung; und im Vergleich zu einem Cover-up ohne vorherige Reduktion des alten Tattoos ein uneingeschränkt ästhetisches, vollwertiges Endergebnis.

Übrigens muss sich wegen der sachgerechten Handhabung des Lasers keiner Sorgen machen: Selbstverständlich hat Ronny, der bei uns den Laser bedient, den Laserschutzbeauftragtenschein.

 

Du hast klar erkennbar einen künstlerischen Ansatz beim Tätowieren. Bist Du eigentlich auch außerhalb Deiner Arbeit in dieser Richtung aktiv?

Allerdings. Wobei sich „Arbeit“ und „außerhalb“ eigentlich gar nicht trennen lassen, da jede weitere Steigerung meines Könnens ja wieder direkt in meine Arbeit einfließt.

Derzeit mache ich einen Kurs im Akt-Zeichnen an der Kunstakademie Esslingen. Das Aktzeichnen ist eine sehr gute Schule für das Verständnis von Zusammenhängen, von Proportionen. Danach will ich mich verstärkt dem Porträtzeichnen widmen, denn auch das ist eine Herausforderung, durch die man sein Können immer noch weiter verfeinern kann.

 

Wenn Du Dein Arbeitsethos in einem Satz zusammenfassen solltest, wie würde er lauten?

Ganz einfach: Tattoos sollen stolz und glücklich machen!